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Sorgen!

Sixt hat es böse übertrieben!

Sorgen!Der Autovermieter Sixt ist bekannt für seine provozierende Werbung. Die betreuende Agentur Jung von Matt ist auch sehr gut darin, aktuelle Themen schnell aufzugreifen und in Anzeigen umzusetzen.

Man mag von diesen Motiven halten, was man will, aber sie polarisieren immer. Ich persönlich bin meistens begeistert, viele andere finden die Motive oft geschmacklos, albern oder verletzend. Aber wie hat vor Jahren ein älterer Kollege mal so weise zu mir gesagt:

Werbung, die jedem gefällt, kann zwangsläufig nur Mittelmaß sein!

Ich jedenfalls wünsche mir ab und zu schon einen Kunden, der ähnlich mutig ist, wie der Autovermieter. Da könnte man vielleicht auch einmal die verrückten aber guten Ideen verwirklichen, die man den Kunden meist gar nicht erst präsentiert….

Immerhin wurde sogar unsere Bundeskanzlerin oft Ziel des werbenden Sixt-Spottes. Angesichts der Tatsache, dass sie bisher alle „Attacken“  von Sixt in ihrer bekannten Art von sich hat abperlen lassen, kann man bei Ihr zwei Motive interpretieren:

  1. Frau Merkel hat beschlossen, die Anzeigen zu ignorieren, weil sie sich mit Gegenmaßnahmen nur in ein schlechtes Licht rücken kann („Spielverderberin“, „humorlos“, etc.)
  2. Frau Merkel hat erkannt, dass ihr die Anzeigen mehr nutzen als schaden. Wenn sie nicht dagegen vorgeht, präsentiert sie sich als humorvoll und fähig zur Selbstironie.

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Über das Ziel hinausgeschossen!

Jetzt sind Sixt und Jung von Matt allerdings über das Ziel hinaus geschossen. Sie haben eine Grenze verletzt, die sie lieber unangetastet gelassen hätten: Gustl Mollath und sein persönliches Schicksal.

Sixt-Werbung Mollath

Das musste schief gehen

Mir schoss beim ersten Blick auf das Motiv jedenfalls sofort durch den Kopf, dass das nicht gut gehen wird! Ganz abgesehen davon, dass ich das Motiv persönlich ebenfalls daneben bzw. geschmacklos finde. Als Bewohner der „Metropolregion Nürnberg“ habe ich die Affaire „Mollath“ von Anfang an mitbekommen und man mag zu der Sache stehen, wie man will, aber: Das Schicksal eines Menschen, der eventuell 7 Jahre unschuldig in einer psychiatrischen Anstalt verbringen musste, beutet man nicht für Werbung aus. Das kann nur (und muss) schief gehen!

„Shitstorm“ als Quittung

Sixt erhält jetzt postwendend die Quittung: Öffentlich Empörung von allen Seiten! Diskussionen auf Facebook, Empörung auf Twitter, Schelte in der Presse und Beschwerden beim Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW).

Man hat inzwischen reagiert, das Motiv zurück gezogen und der Vorstandsvorsitzende hat sich in einem persönlichen Brief bei Herrn Mollath entschuldigt.

Fazit

Ich hoffe Agentur und Kunde haben daraus etwas gelernt. Nicht jedes aktuelle Thema und jede Person des öffentlichen Lebens eignet sich dazu in einer Anzeige verwurstet zu werden. Und man sollte sich auch nicht vom Erfolg vergangener Motive so antreiben lassen, dass man im „kreativen“ Überschwang über das Ziel hinaus schießt und persönliche bzw. öffentliche Gefühle verletzt. Es ist doch immer wieder ganz gut, Ideen etwas schärfer zu hinterfragen und sich darüber Gedanken zu machen, ob Aufmerksamkeit um jeden Preis wirklich so lohnenswert ist.

Vielleicht ist es doch ganz gut, dass meine Kunden eher vorsichtig sind….

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